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SOP Einsatz von KI-Anwendungen im Unternehmen

Datenschutz · KI-Governance · Mitbestimmung · Compliance

Dokumenttyp: Standard Operating Procedure (SOP)
Geltungsbereich: alle KI-Anwendungen und KI-gestützten Funktionen
Status: verbindlich
Version: 1.1
Stand: 15.02.2026


1. Zweck​

Diese SOP regelt den verantwortungsvollen Einsatz von KI-Anwendungen im Unternehmen.

Die Prüfung, Bewertung und Freigabe von KI-Anwendungen erfolgt über den KI-Check-Prozess (E2E KI-Prüfung, 8 Schritte).


2. Anwendungsbereich​

Diese SOP gilt für:

  • alle KI-Anwendungen (z. B. generative KI, Assistenzsysteme, Automatisierungen),
  • alle KI-Funktionen innerhalb bestehender Software (z. B. Add-ons, „Copilot"-Funktionen),
  • auch für selbst erstellte Assistenten/Bots/Agents innerhalb bereits freigegebener Plattformen (z. B. Copilot Studio), wenn sie veröffentlicht, geteilt oder mit Daten/Tools/Integrationen verbunden werden,
  • alle Organisationseinheiten und Mitarbeitenden.

3. Grundprinzipien (leicht merkbar)​

  • KI ist kein normales Software-Feature. Jede KI-Anwendung ist separat zu betrachten.
  • Enablement vor Verbot. Nutzung ist zulässig, wenn Risiken beherrschbar sind.
  • Klare STOP-Grenzen. Bei No-Gos ist der Einsatz unzulässig.
  • Transparenz. KI-Einsatz ist nachvollziehbar und dokumentiert.
  • Nur im freigegebenen Rahmen. KI wird nur für den freigegebenen Zweck und innerhalb der freigegebenen Grenzen genutzt.

4. Wann ist diese SOP anzuwenden?​

Diese SOP ist immer anzuwenden, wenn mindestens eines zutrifft:

  1. Neue KI-Anwendung soll eingeführt werden (Tool, Plattform, Feature)
  2. Bestehende KI-Anwendung wird wesentlich geändert:
    • Neue Funktionen / Features
    • Neue Datenquellen / Integrationen
    • Änderung des Nutzungszwecks
    • Änderung der Nutzergruppe (z.B. von Pilot auf Unternehmensweit)
  3. Agent/Assistent wird erstellt oder geändert (auch in freigegebenen Plattformen):
    • Veröffentlichung intern
    • Neue Datenquellen / Integrationen
    • Aktionen (Read-Write / Actions)

Hinweis: Ein KI-Check ist auch dann erforderlich, wenn ein neuer Agent/Assistent erstellt oder wesentlich geändert wird – insbesondere bei Veröffentlichung intern, neuen Datenquellen/Integrationen oder Aktionen (Read-Write/Actions).


5. Rollen & Verantwortlichkeiten (wer macht was?)​

  • Fachbereich / Antragsteller: beschreibt den geplanten Use Case und liefert die Informationen für den KI-Check.
  • KI-Manager: steuert den Prozess, führt die Vorprüfung durch und koordiniert die Beteiligten.
  • Recht: verantwortet die rechtliche Einordnung (insb. Anbieter/Vertrag) und wirkt beim STOP-Gate (Verbot/Hochrisiko) mit.
  • Datenschutz (DSB): bewertet Datenschutzrisiken (DSGVO) und entscheidet über DSFA-Erforderlichkeit.
  • IT-Security: bewertet technische Sicherheit (Zugriffe, Integrationen, Logging, Konfiguration).
  • Betriebsrat: wird beteiligt, wenn Mitbestimmung berührt ist; Einzelanlage wird abgestimmt.
  • Management: trifft die finale Freigabeentscheidung.

6. Klare Leitplanke: Keine Unternehmensdaten in nicht freigegebene KI-Tools​

Grundregel: Unternehmensdaten (personenbezogene Daten, vertrauliche Kunden-/Projektinfos, Betriebsgeheimnisse) dürfen nicht in nicht freigegebene KI-Tools eingegeben werden – auch nicht mit privaten Accounts oder privaten Endgeräten.

Bei Unsicherheit: nicht nutzen und KI-Check anstoßen.


7. Voraussetzungen für den Einsatz (Pflicht)​

7.1 Governance & Mitbestimmung (Pflicht)​

  1. KI-Check durchlaufen (E2E KI-Prüfung, 8 Schritte)
  2. Management-Freigabe erhalten (KI Check - Management-Entscheidung)
  3. Bei Mitbestimmung: Einzelanlage zur KI-RBV mit Betriebsrat abgestimmt (KI Check - Einzelanlage zur KI-RBV)

7.1.1 Verbot von Mitarbeitenden-Rankings ohne Einzelanlage​

Jede Form von KI-gestütztem Ranking, Scoring oder Bewertung von Mitarbeitenden (z.B. Leistung, Verhalten, Kompetenz) ist ohne abgestimmte Einzelanlage mit dem Betriebsrat verboten.


7.2 Technische Voraussetzungen (Pflicht)​

  1. Anbieter freigegeben (Legal/Einkauf)
  2. Vertrag vorhanden (Rahmenvertrag, ggf. AVV)
  3. IT-Security-Anforderungen erfüllt (SSO/MFA, Logging, DLP, etc.)
  4. Datenschutz-Anforderungen erfüllt (Rechtsgrundlage, ggf. DSFA)

7.3 Nutzungsregeln (Pflicht)​

  1. Nutzungsrichtlinie & Codex beachten (siehe separate Dokumente)
  2. Nur für freigegebenen Zweck nutzen
  3. Ergebnisse immer selbst prüfen (KI kann Fehler machen)
  4. Transparenz: KI-Nutzung ist dokumentiert und nachvollziehbar

8. Routing im KI-Check-Prozess​

Der KI-Check-Prozess unterscheidet drei Prüfpfade basierend auf dem automatischen Risk-Scoring (6-18 Punkte):

Risk-ScoreRoutingBeschreibungSLA (ca.)
6-9 PunkteFast-TrackRisikoarme Use Cases (Low-Risk) können einen verkürzten Prüfpfad nutzen, bei dem bestimmte Fachprüfungen entfallen.~10-15 Arbeitstage
10-14 PunkteStandardMittleres Risiko, vollständige Fachprüfungen erforderlich (Datenschutz, IT-Security, Betriebsrat, Anbieter).~4-6 Wochen
15-18 PunkteVollprüfungHohes Risiko, vertiefte Analyse & erweiterte Auflagen (z.B. DSFA, Penetration-Test).~6-8 Wochen

Details: Siehe Risk-Scoring & Routing


9. Erforderliche Dokumente​

Im Rahmen des KI-Checks werden folgende Dokumente erstellt:

DokumentSchrittPflicht?Zweck
KI Check - Use-case-SteckbriefSchritt 1✅ Ja (immer)Formalisierung, Risk-Scoring
KI Check - Einzelanlage zur KI-RBVSchritt 5⚠️ Nur bei MitbestimmungBetriebsrat-Freigabe
KI Check - Management-EntscheidungSchritt 7✅ Ja (immer)Freigabe-Dokumentation

10. Change Management & Review​

10.1 Wesentliche Änderungen (Re-Check erforderlich)​

Bei folgenden Änderungen ist ein Re-Check (Rückkehr zu Schritt 2 des KI-Checks) erforderlich:

  • Neue Datenarten (z.B. plötzlich besondere Kategorien Art. 9 DSGVO)
  • Neue Integration (Write-Access)
  • HR-Kontext neu hinzugekommen
  • Anbieter-Wechsel
  • Zweck-Änderung (anderer Use Case)
  • Skalierung (Pilot → Unternehmensweit)
  • Externe Weitergabe neu

10.2 Review-Zyklus​

Jeder freigegebene Use Case wird 6-12 Monate nach Go-Live überprüft:

  • Auflagen-Compliance
  • Scope-Adherence (nur für freigegebenen Zweck genutzt?)
  • Drift-Detection (neue Datenarten, Nutzergruppen, Automatisierungsgrade?)
  • Incident-Review (Sicherheitsvorfälle, Datenschutz-Beschwerden?)

11. Hochrisiko & verbotene Praktiken (STOP-Gate)​

11.1 EU AI Act Art. 5 – Verbotene Praktiken​

Diese KI-Systeme sind generell verboten:

  • Social Scoring (Bewertung von Personen nach Sozialverhalten)
  • Emotion Recognition am Arbeitsplatz (außer medizinische/Sicherheitsgründe)
  • Subliminal Manipulation (unterschwellige Beeinflussung)
  • Ausnutzung von Vulnerabilitäten (Alter, Behinderung, soziale Lage)

Konsequenz: Bei Verstoß → STOP in Schritt 2 (Risk Assessment & Gate)


11.2 Hochrisiko-KI gem. Anhang III AI Act & RBV​

Hochrisiko-KI-Systeme gem. Anhang III AI Act (z.B. HR-Recruiting, Leistungsbewertung, Kreditscoring, biometrische Identifikation) sind bei GEALAN generell nicht zulässig.

Dies ist in der KI-Rahmenbetriebsvereinbarung (RBV) Abschnitt 3 geregelt und dient dem Schutz von Mitarbeiter- und Bewerberrechten.

Beispiele für Hochrisiko (bei GEALAN nicht zulässig):

  • CV-Screening mit automatisierter Vorauswahl
  • Leistungs-/Verhaltensbeurteilung von Mitarbeitern durch KI
  • Automatisierte Entscheidungen über Beförderung, Versetzung, Kündigung
  • Profiling mit Rechtswirkung für Mitarbeiter

Konsequenz: Bei Hochrisiko-Verdacht → STOP in Schritt 2 (Risk Assessment & Gate)


12. Weiterführende Dokumente​

  • Nutzungsrichtlinie & Codex: Regeln für die tägliche Nutzung
  • E2E KI-Prüfung (8 Schritte): Detaillierter Prüfprozess
  • Risk-Scoring & Routing: Automatische Risikobewertung
  • Rechtlicher Rahmen: EU AI Act, DSGVO, BetrVG, KI-RBV
  • KI-Rahmenbetriebsvereinbarung (RBV): Interne Verbote & Auflagen

13. Dokument-Freigabe​

Erstellt von: KI-Manager
Geprüft von: DSB, IT-Security, HR, Legal
Freigegeben von: Geschäftsführung
Datum: 15.02.2026
Version: 1.1
Status: Freigegeben


Änderungshistorie:

VersionDatumÄnderung
1.001.02.2026Erstversion
1.115.02.2026• Fast-Track-Routing ergänzt (Abschnitt 8)
• Hochrisiko-Verbot explizit (Abschnitt 11.2)
• Dokumentennamen aktualisiert (Abschnitt 9)

einsatz