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KI-Check Handbuch – Der 8-Schritte-Prozess

GEALAN Fenster-Systeme GmbH
Stand: 17.02.2026 | Version: 3.3 | Status: Freigegeben


Wie dieses Handbuch aufgebaut ist

Dieses Prozess-Handbuch beschreibt die acht Schritte des KI-Checks detailliert und praxisnah. Jeder Schritt folgt der gleichen Struktur:

📋 Worum geht's? – Zweck und Ziel des Schritts
🎯 Was wird geprüft? – Konkrete Prüfkriterien und Anforderungen
👥 Wer ist beteiligt? – Rollen und Verantwortlichkeiten
📝 Welche Dokumente entstehen? – Artefakte und Outputs
⚙️ Wie läuft es ab? – Ablauf, Tools, Methoden
⚠️ Stolpersteine & Lösungen – Typische Probleme und wie man sie vermeidet
✅ Checkliste – Was muss erledigt sein, bevor es weitergeht?


Prozess-Übersicht: Die 8 Schritte im Überblick


Schritt 1 – Formalisierung & Risk-Scoring

📋 Worum geht's?

In diesem ersten Schritt verwandeln Sie Ihre KI-Idee in einen strukturiert dokumentierten Use Case. Aus „Wir wollen mal ChatGPT ausprobieren" wird ein präziser Steckbrief mit allen relevanten Informationen: Was genau soll die KI tun? Welche Daten werden verarbeitet? Wer nutzt sie? Wie ist sie integriert?

Das Herzstück dieses Schritts ist das Risk-Scoring: Anhand von sechs objektiven Kriterien wird ein Risikowert zwischen 6 und 18 Punkten berechnet. Dieser Score entscheidet automatisch, welchen Prüfpfad Ihr Use Case durchläuft:

  • Score 6-9 (Low-Risk): Fast-Track – schneller Quick-Check, ~10-15 Tage
  • Score 10-14 (Medium-Risk): Standard – vollständige Prüfung, ~4-6 Wochen
  • Score 15-18 (High-Risk): Full Review – intensive Prüfung mit STOP-Gate, ~6-8 Wochen

Wichtig: In Schritt 1 wird nur die technische Risikobewertung durchgeführt. Die rechtliche Zulässigkeitsprüfung (Ist die Anwendung überhaupt erlaubt? Verstößt sie gegen EU AI Act Art. 5 oder RBV §3?) erfolgt erst in Schritt 2. Dieser Schritt fragt: „Wie riskant ist der Use Case technisch?" – nicht: „Ist er verboten?"

Abgrenzung zu Schritt 2

Schritt 1 berechnet das technische Risiko (Daten, Integration, Reichweite).
Schritt 2 prüft die rechtliche Zulässigkeit (Verbote, Hochrisiko-KI, Mitbestimmungspflicht).


🎯 Was wird geprüft?

Der Use-Case-Steckbrief erfasst 14 Pflichtfelder (7 allgemeine Informationen + 6 Risk-Scoring-Kriterien + 1 Kontextfeld "Systemtyp"), die vollständig ausgefüllt sein müssen, bevor der Risk-Score berechnet werden kann.

Allgemeine Informationen

1. Titel des Use Case (max. 100 Zeichen)
Eine knappe, eindeutige Bezeichnung, die sofort klar macht, worum es geht.
✅ Gut: „Copilot für E-Mails mit Kundendaten im Vertrieb"
❌ Schlecht: „Copilot testen" (zu vage), „Microsoft 365 Copilot Enterprise Lizenz – Pilot Phase Q1 2026 für ausgewählte Vertriebsmitarbeiter zur Effizienzsteigerung" (zu lang)

2. Beschreibung des Use Case (max. 500 Zeichen)
Was macht die KI konkret? Beschreiben Sie den Ablauf: Input → Verarbeitung → Output.
✅ Beispiel: „Vertriebsmitarbeiter geben Kundenanfragen in Outlook ein. Copilot analysiert die E-Mail-Historie, schlägt eine Antwort vor und fügt relevante Produktinformationen ein. Der Mitarbeiter prüft, überarbeitet und versendet die E-Mail manuell."

3. Geschäftsbereich / Organisationseinheit
Welche Abteilung oder welches Team nutzt die KI?
Auswahl: HR, IT, Vertrieb, Marketing, Einkauf, Produktion, Logistik, Kundendienst, Management, Controlling, ...

4. Antragsteller / Use-Case-Owner
Wer ist verantwortlich für den Use Case? Name, E-Mail, Telefon.
Diese Person ist der zentrale Ansprechpartner und muss bei Rückfragen erreichbar sein.

5. Tool-Anbieter & Produktname
Welches konkrete Tool wird genutzt?
✅ Beispiel: „Microsoft Corporation – Microsoft 365 Copilot"
✅ Beispiel: „OpenAI – ChatGPT Enterprise"
❌ Schlecht: „KI-Tool" (zu vage)

6. Zweckkategorie
Was soll die KI tun? Auswahl: Text (Schreiben, Übersetzen, Zusammenfassen), Bild (Generierung, Bearbeitung), Audio (Transkription, Sprachsynthese), Video (Schnitt, Untertitel), Analyse (Datenauswertung, Reporting), Coding (Code-Generierung, Debugging), Recherche (Informationssuche), Automatisierung (Workflow, Prozesse).

7. Geplante Reichweite
Wie viele Personen werden die KI nutzen?
Auswahl: Pilot (1-5 Nutzer), Team (6-20), Bereich (21-100), Unternehmensweit (>100).

Starten Sie mit Pilot

Auch wenn Sie langfristig eine unternehmensweite Nutzung planen: Starten Sie immer als Pilot (1-5 Nutzer). Das senkt den Risk-Score, beschleunigt die Freigabe und ermöglicht iteratives Lernen. Nach erfolgreicher Testphase können Sie skalieren – dann ist ein Re-Check erforderlich.

8. Systemtyp (Kontextfeld)
Wie unterstützt die KI?
Auswahl: Assistierend (reine Vorschläge, keine Aktionen), Entscheidungsunterstützung (bereitet Entscheidungen vor), Semi-automatisch (führt Aktionen mit Human-in-the-Loop aus).

Hinweis: Systemtyp fließt NICHT in den Risk-Score ein

Systemtyp ist ein Kontextfeld zur besseren Einordnung des Use Case und dient der Dokumentation. Die Bewertung der Automatisierung erfolgt über Kriterium 9 (Autonomie) im Risk-Scoring.


Risk-Scoring-Kriterien (6 Kriterien à 1-3 Punkte)

Die folgenden sechs Kriterien bilden die Basis für die Risikobewertung. Für jedes Kriterium wird eine Punktzahl von 1 (niedriges Risiko) bis 3 (hohes Risiko) vergeben. Der Gesamtscore ist die Summe aller sechs Werte.

9. Datenart – Welche Daten werden verarbeitet?

  • 1 Punkt: Keine personenbezogenen Daten (nur anonymisierte, aggregierte oder öffentliche Daten)
  • 2 Punkte: Personenbezogene Daten allgemein (Namen, E-Mail-Adressen, Kundennummern, Rechnungsadressen)
  • 3 Punkte: Besondere Kategorien nach Art. 9 DSGVO (Gesundheitsdaten, biometrische Daten, rassische/ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit, sexuelle Orientierung)

Beispiel:
ChatGPT für allgemeine Brainstorming-Anfragen ohne GEALAN-Daten → 1 Punkt
Copilot für E-Mails mit Kundendaten → 2 Punkte
KI-gestützte Gesundheitsanalyse von Mitarbeitenden → 3 Punkte

10. Autonomie – Wie stark greift die KI in Entscheidungen ein?

  • 1 Punkt: Rein unterstützend (KI liefert Vorschläge, Mensch entscheidet und führt aus)
  • 2 Punkte: Teil-automatisiert (KI bereitet vor, Mensch genehmigt vor Ausführung – „Human-in-the-Loop")
  • 3 Punkte: Vollautomatisiert (KI trifft Entscheidungen und führt eigenständig aus, ohne vorherige menschliche Prüfung)

Beispiel:
ChatGPT schlägt Textentwurf vor, Mitarbeiter überarbeitet und veröffentlicht → 1 Punkt
Copilot erstellt E-Mail-Entwurf, Mitarbeiter klickt auf „Senden" → 2 Punkte
KI sortiert Bewerbungen automatisch aus und lehnt ab → 3 Punkte

Vollautomatisierte Entscheidungen über Personen sind verboten

DSGVO Art. 22 und RBV §3 verbieten vollautomatisierte Entscheidungen über Personen im HR-Kontext (Recruiting, Leistungsbewertung). Selbst wenn technisch möglich: Immer Human-in-the-Loop einbauen!

11. Integration – Wie tief ist die KI in Systeme integriert?

  • 1 Punkt: Stand-alone / Read-only (keine Schreibrechte auf Unternehmenssysteme; isoliert oder nur lesend)
  • 2 Punkte: Schreibzugriff auf ein System (KI kann Daten in einem System ändern oder erstellen, z.B. CRM-Einträge, E-Mails)
  • 3 Punkte: Multi-System-Integration (KI ist mit mehreren Systemen verbunden und synchronisiert Daten, z.B. ERP ↔ CRM ↔ HR-System)

Beispiel:
ChatGPT im Browser, keine Integrationen → 1 Punkt
Copilot mit Zugriff auf Outlook (E-Mails schreiben) → 2 Punkte
KI synchronisiert Daten zwischen ERP, CRM und HR-System → 3 Punkte

12. Reichweite – Wie viele Personen nutzen die KI?

  • 1 Punkt: Pilot (1-5 Nutzer)
  • 2 Punkte: Team/Bereich (6-100 Nutzer)
  • 3 Punkte: Unternehmensweit (>100 Nutzer)

Praktischer Hinweis: Die Reichweite bezieht sich auf die tatsächlichen Nutzer, nicht auf potenzielle. Wenn Sie ein Tool für 200 Mitarbeitende lizenzieren, aber nur 3 Personen im Pilot testen, gilt: 1 Punkt (Pilot).

13. HR-Kontext – Verarbeitet die KI Mitarbeiter- oder Bewerberdaten?

  • 1 Punkt: Kein HR-Bezug (keine Mitarbeiter- oder Bewerberdaten)
  • 2 Punkte: Allgemeine HR-Daten (Abwesenheitskalender, Kontaktdaten, Organigramme, Schulungsanmeldungen – nicht beurteilungsrelevant)
  • 3 Punkte: Beurteilungs-/bewerberrelevant (Leistungsbewertungen, Bewerbungsunterlagen, Kompetenzprofile, Feedbackdaten – entscheidungsrelevant für Einstellung, Beförderung, Kündigung)

Beispiel:
ChatGPT für Marketing-Texte → 1 Punkt
Copilot erstellt Meeting-Zusammenfassung mit Teilnehmerliste → 2 Punkte
KI bewertet Kandidaten anhand von CVs → 3 Punkte (und RBV §3 verboten)

14. Externe Weitergabe – Verlassen Daten das Unternehmen?

  • 1 Punkt: Nur intern (Daten bleiben bei GEALAN, keine Weitergabe an Dritte)
  • 2 Punkte: An Vertragspartner (Daten gehen an Kunden, Lieferanten oder Geschäftspartner im Rahmen vertraglicher Beziehungen)
  • 3 Punkte: Öffentlich (KI-Ergebnisse werden veröffentlicht – Website, Social Media, öffentliche Dokumente)

Beispiel:
ChatGPT für interne Notizen → 1 Punkt
Copilot erstellt Kundenberichte per E-Mail → 2 Punkte
KI generiert Social-Media-Posts → 3 Punkte


Risk-Score: Berechnung & Routing

Der Gesamtscore ist die Summe der sechs Kriterien:

Score = Datenart + Autonomie + Integration + Reichweite + HR-Kontext + Externe Weitergabe

Möglicher Wertebereich: 6 Punkte (minimales Risiko) bis 18 Punkte (höchstes Risiko).

Basierend auf dem Score erfolgt die automatische Routing-Entscheidung:

Risk-ScoreRoutingSLA (Gesamt)Prüfpfad
6-9 PunkteFast-Track~10-15 TageS1 → S2 (Quick-Check) → S7 (Management) → S8 (Betrieb)
10-14 PunkteStandard~4-6 WochenS1 → S2 (Gate) → S3/S4/S5 (parallel) → S6 (Anbieter) → S7 → S8
15-18 PunkteFull Review~6-8 WochenS1 → S2 (STOP-Gate) → S3/S4/S5 (vertieft) → S6 → S7 → S8 (meist: STOP in S2)
Fast-Track-Kriterien

Auch wenn der Score 6-9 Punkte beträgt, kann der Fast-Track nur genutzt werden, wenn alle der folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • ✅ Keine besonderen Kategorien (Art. 9 DSGVO)
  • ✅ Kein HR-Kontext (Kriterium 13 = 1 Punkt)
  • ✅ Keine vollautomatisierten Entscheidungen (Kriterium 10 ≤ 2 Punkte)
  • ✅ Kein Schreibzugriff auf mehrere Systeme (Kriterium 11 ≤ 2 Punkte)
  • ✅ Keine öffentliche Weitergabe (Kriterium 14 ≤ 2 Punkte)

Wenn auch nur eine Bedingung nicht erfüllt ist, rutscht der Use Case in den Standard-Pfad – selbst bei niedrigem Score.


👥 Wer ist beteiligt?

Use-Case-Owner / Antragsteller:
Die Person oder das Team, das den Use Case nutzen möchte. Sie füllen den Use-Case-Steckbrief aus (Felder 1-14). Sie kennen den Business-Kontext am besten und müssen alle Fragen wahrheitsgemäß beantworten – denn das Risk-Scoring basiert auf diesen Angaben.

KI-Manager:
Koordiniert den Prozess, prüft die Vollständigkeit des Steckbriefs, berechnet den Risk-Score (meist automatisiert im SharePoint-Cockpit) und legt den Routing-Pfad fest. Der KI-Manager ist die zentrale Anlaufstelle bei Fragen oder Unklarheiten.

Datenschutzbeauftragte:r (DSB) & IT-Security:
Werden in Schritt 1 informiert, aber nicht aktiv eingebunden. Ihre Prüfung erfolgt erst in Schritt 3 (Datenschutz) und Schritt 4 (IT-Security) – oder bei Fast-Track in Schritt 2 (Quick-Check).

Kontakt zum KI-Manager

Bei Unsicherheiten beim Ausfüllen des Steckbriefs: Kontaktieren Sie frühzeitig den KI-Manager ([ki-manager@gealan.de]). Ein kurzes Telefonat (5-10 Minuten) kann Rückfragen vermeiden und die Bearbeitung beschleunigen.


📝 Welche Dokumente entstehen?

Primäres Artefakt: KI Check – Use-Case-Steckbrief

Dieses Dokument (früher: „Dokument 01") ist das zentrale Artefakt von Schritt 1. Es enthält:

  • Alle 14 Pflichtfelder (Titel, Beschreibung, Geschäftsbereich, Antragsteller, Anbieter, Zweck, Reichweite, Systemtyp)
  • Die Bewertung der sechs Risk-Scoring-Kriterien (je 1-3 Punkte)
  • Den berechneten Gesamtscore (6-18 Punkte)
  • Die Routing-Entscheidung (Fast-Track / Standard / Full Review)
  • Prozessstatus: „S1 – Formalisierung & Risk-Scoring"
  • Zeitstempel: Wann wurde der Steckbrief erstellt?

Speicherort: SharePoint-Cockpit (zentrale Ablage für alle KI-Checks).
Zugriff: Use-Case-Owner, KI-Manager, DSB, IT-Security, Betriebsrat (je nach Prozessschritt).
Format: Strukturiertes SharePoint-Formular (automatisiert befüllte Felder) oder Word-Template (bei Bedarf).


⚙️ Wie läuft es ab?

Ablauf im Detail

1. Use-Case-Owner füllt den Steckbrief aus
Der Antragsteller öffnet das SharePoint-Formular (oder Word-Template) und beantwortet alle 14 Pflichtfelder. Besonders wichtig: Die sechs Risk-Scoring-Kriterien (9-14) müssen ehrlich und präzise bewertet werden.

Typische Bearbeitungszeit: 20-30 Minuten (bei klaren Use Cases), bis zu 1 Stunde (bei komplexen Integrationen oder unklaren Datenflüssen).

2. Use-Case-Owner reicht den Steckbrief ein
Nach Fertigstellung wird der Steckbrief im SharePoint-Cockpit gespeichert und an den KI-Manager weitergeleitet. Status: „Eingereicht, warte auf Validierung".

3. KI-Manager prüft Vollständigkeit
Der KI-Manager prüft, ob alle Pflichtfelder ausgefüllt sind und ob die Angaben plausibel sind. Typische Fragen:

  • Ist die Beschreibung konkret genug? („Wir wollen Copilot nutzen" ist zu vage – Was genau soll Copilot tun?)
  • Sind die Risk-Scoring-Bewertungen nachvollziehbar? (Wenn der Use Case als „keine personenbezogenen Daten" markiert ist, aber Kundendaten verarbeitet werden, stimmt etwas nicht.)
  • Fehlen wichtige Informationen? (Z.B. Anbieter genannt, aber kein Produktname.)

Wenn Lücken oder Widersprüche gefunden werden: Der KI-Manager kontaktiert den Use-Case-Owner per E-Mail oder Telefon und bittet um Nachbesserung. Status: „Zurück zur Bearbeitung".

Wenn alles OK ist: Weiter zu Schritt 4.

4. Risk-Score wird berechnet
Im SharePoint-Cockpit wird der Score automatisch berechnet (Summe der Kriterien 9-14). Der Score und die Routing-Entscheidung werden im Steckbrief dokumentiert.

5. Routing-Pfad wird festgelegt
Basierend auf dem Score und den Fast-Track-Kriterien entscheidet das System (oder der KI-Manager manuell), welchen Pfad der Use Case nimmt:

  • Fast-Track (6-9 Punkte + Kriterien erfüllt): Weiter zu Schritt 2 (Quick-Check)
  • Standard (10-14 Punkte): Weiter zu Schritt 2 (Standard-Gate)
  • Full Review (15-18 Punkte): Weiter zu Schritt 2 (High-Risk-Gate mit STOP-Verdacht)

6. Use-Case-Owner wird informiert
Der Use-Case-Owner erhält eine automatisierte E-Mail mit dem Ergebnis:

„Ihr Use Case ‚Copilot für E-Mails' wurde mit einem Risk-Score von 12 Punkten bewertet. Routing: Standard-Prozess (~4-6 Wochen SLA). Nächster Schritt: Risk-Assessment & Gate (Schritt 2). Sie werden informiert, sobald die Prüfung abgeschlossen ist."

7. Übergang zu Schritt 2
Der Use-Case-Steckbrief wird an die Prüfer in Schritt 2 weitergeleitet (KI-Manager, DSB, IT-Security, ggf. Betriebsrat). Status: „S2 – Risk-Assessment & Gate".


Tools & Hilfsmittel

SharePoint-Cockpit:
Zentrale Plattform für den gesamten KI-Check. Enthält:

  • Formular für Use-Case-Steckbrief (mit Pflichtfeldern, Dropdown-Menüs, automatisiertem Risk-Scoring)
  • Dashboard für KI-Manager (Übersicht aller laufenden Use Cases, SLA-Überwachung, Eskalationen)
  • Workflow-Automatisierung (Status-Updates, E-Mail-Benachrichtigungen, Fristenerinnerungen)

Word-Template (Fallback):
Falls SharePoint nicht verfügbar ist, gibt es ein Word-Template für den Use-Case-Steckbrief. Dieses muss manuell ausgefüllt und per E-Mail an den KI-Manager gesendet werden. Der KI-Manager überträgt die Daten dann ins SharePoint-Cockpit.

Risk-Scoring-Matrix (Spickzettel):
Ein einseitiges PDF mit der kompakten 6×3-Matrix und kurzen Erklärungen zu jedem Kriterium. Hilft beim Ausfüllen des Steckbriefs.


⚠️ Stolpersteine & Lösungen

Problem 1: „Ich bin mir unsicher, wie ich die Risk-Scoring-Kriterien bewerten soll."

Häufigste Unsicherheit: Was zählt als „personenbezogene Daten"? Wann ist eine Entscheidung „vollautomatisiert"?

Lösung:

  • Nutzen Sie die Risk-Scoring-Matrix (siehe oben). Dort sind alle Kriterien mit Beispielen erklärt.
  • Im Zweifel: Kontaktieren Sie den KI-Manager frühzeitig. Er kann Ihnen in 5-10 Minuten helfen, die richtige Bewertung zu finden.
  • Tendenz zur Vorsicht: Wenn Sie zwischen zwei Punktwerten schwanken, wählen Sie den höheren Wert. Besser einmal zu vorsichtig als zu riskant.
Ehrlichkeit ist Pflicht

Das Risk-Scoring basiert auf Ihren Angaben. Wenn Sie bewusst niedrigere Punktzahlen wählen, um einen Fast-Track zu erzwingen, riskieren Sie rechtliche Konsequenzen (DSGVO-Verstoß, AI-Act-Verstoß) und Vertrauensverlust. Seien Sie ehrlich – auch wenn das bedeutet, dass die Prüfung länger dauert.


Problem 2: „Unser Use Case ist komplex. Ich kann ihn nicht in 500 Zeichen beschreiben."

Lösung:

  • Fokus auf Input-Verarbeitung-Output: Beschreiben Sie was die KI tut, nicht warum sie es tut oder wie großartig das ist. Geschäftsnutzen und strategische Begründung gehören nicht in die Beschreibung.
  • Beispiel (zu lang): „Wir möchten Microsoft 365 Copilot einsetzen, um die Produktivität unserer Vertriebsmitarbeiter zu steigern, indem wir repetitive Aufgaben wie E-Mail-Beantwortung automatisieren und dadurch mehr Zeit für Kundenberatung schaffen. Copilot soll auf Outlook und SharePoint zugreifen und intelligente Vorschläge machen." (268 Zeichen – aber viel Füllwort)
  • Beispiel (besser): „Vertrieb nutzt Copilot in Outlook. Copilot analysiert E-Mail-Historie, schlägt Antworten vor, fügt Produktinfos ein. Mitarbeiter prüft, überarbeitet, sendet manuell. Zugriff: Outlook (Schreibrechte), SharePoint (lesend)." (199 Zeichen, präzise)

Problem 3: „Wir wollen mehrere Use Cases mit dem gleichen Tool. Brauchen wir für jeden einen eigenen Steckbrief?"

Antwort: Ja.

Ein Tool kann mehrere Use Cases haben – mit unterschiedlichen Risiken. Beispiel:

  • Use Case A: „ChatGPT für Marketing-Brainstorming" (Score 6 → Fast-Track)
  • Use Case B: „ChatGPT für Übersetzung von Kundendokumenten" (Score 11 → Standard)
  • Use Case C: „ChatGPT für automatische Bewerberbewertung" (Score 16 → STOP)

Jeder Use Case braucht einen eigenen Steckbrief, weil Risiken und Prüfanforderungen unterschiedlich sind.

Tool-Freigabe ≠ Use-Case-Freigabe

„ChatGPT ist freigegeben" bedeutet nicht, dass Sie es für jeden Zweck nutzen dürfen. Jeder neue Einsatzzweck = neuer Use Case = neuer Check.


Problem 4: „Wir haben den Steckbrief eingereicht, aber seit 5 Tagen keine Rückmeldung erhalten."

Lösung:

  • Prüfen Sie den Status im SharePoint-Cockpit. Steht dort „Warte auf Validierung" oder „Zurück zur Bearbeitung"?
  • Kontaktieren Sie den KI-Manager. Vielleicht liegt der Steckbrief in seiner Warteschlange, weil er gerade mehrere Use Cases parallel bearbeitet.
  • SLA-Überwachung: Der KI-Manager wird bei Fristüberschreitung automatisch erinnert. Wenn der SLA (3 Arbeitstage für Schritt 1) überschritten wird, eskaliert das System an das Management.

✅ Checkliste: Schritt 1 abgeschlossen?

Bevor der Use Case zu Schritt 2 weitergehen kann, müssen alle der folgenden Punkte erfüllt sein:

  • Use-Case-Steckbrief vollständig ausgefüllt (alle 14 Pflichtfelder)
  • Beschreibung ist präzise und konkret (Input → Verarbeitung → Output erkennbar)
  • Systemtyp erfasst (Assistierend / Entscheidungsunterstützung / Semi-automatisch)
  • Risk-Scoring-Kriterien bewertet (Kriterien 9-14, jeweils 1-3 Punkte)
  • Risk-Score berechnet und dokumentiert (Summe 6-18 Punkte)
  • Routing-Pfad festgelegt (Fast-Track / Standard / Full Review)
  • Steckbrief vom KI-Manager validiert (keine offenen Rückfragen, keine Widersprüche)
  • Prozessstatus aktualisiert („S1 – Formalisierung & Risk-Scoring" abgeschlossen)
  • Use-Case-Owner über Routing informiert (E-Mail mit Score, Pfad, nächsten Schritten)
  • Steckbrief an Prüfer in Schritt 2 weitergeleitet (KI-Manager, DSB, IT-Security)

Wenn alle Punkte erfüllt sind:Schritt 1 abgeschlossen → Weiter zu Schritt 2 (Risk-Assessment & Gate).


Nächster Schritt: 📖 Schritt 2 – Risk-Assessment & Gate (wird im nächsten Kapitel beschrieben)


Schritt 2 – Risk-Assessment & Gate

📋 Worum geht's?

Schritt 2 ist die zentrale Gate-Funktion des gesamten KI-Checks. Hier wird entschieden, ob Ihr Use Case rechtlich zulässig ist – oder ob er gegen EU AI Act Art. 5 (verbotene Praktiken) oder gegen unsere interne RBV §3 (Hochrisiko-Verbote) verstößt.

Anders als Schritt 1, der eine technische Risikobewertung vornimmt („Wie riskant ist der Use Case?"), erfolgt in Schritt 2 eine rechtliche Zulässigkeitsprüfung („Ist der Use Case überhaupt erlaubt?").

Schritt 2 hat drei Varianten – abhängig vom Risk-Score aus Schritt 1:

  • Variante A: Quick-Check (Score 6-9) – Schnelle Plausibilitätsprüfung für Low-Risk-Use-Cases
  • Variante B: Standard-Gate (Score 10-14) – Vollständige rechtliche Prüfung für Standard-Use-Cases
  • Variante C: High-Risk-Gate (Score 15-18) – Intensive Prüfung mit hoher STOP-Wahrscheinlichkeit

Wichtig: Das Gate ist kein Automatismus. Selbst bei niedrigem Risk-Score kann ein Use Case gestoppt werden, wenn er gegen Verbote verstößt. Und selbst bei hohem Score kann er (mit Auflagen) freigegeben werden, wenn alle Risiken beherrschbar sind.

Das STOP-Gate ist endgültig

Wenn Schritt 2 zu einem STOP führt (AI-Act-Verbot oder RBV §3-Hochrisiko), endet der Prozess. Sie können den Use Case nicht „einfach trotzdem machen". Eine Redesign-Beratung durch den KI-Manager ist aber möglich – vielleicht lässt sich der Use Case so anpassen, dass er zulässig wird.


🎯 Was wird geprüft?

Die Prüfung erfolgt in drei Schritten – die Detailtiefe hängt vom Risk-Score ab:

1. SOP-Relevanz: Fällt der Use Case überhaupt unter die KI-SOP?

Prüfung: Ist das Tool/System überhaupt ein KI-System im Sinne unserer SOP?

Ja: Weiter prüfen (AI-Act-Verbote, Hochrisiko)
Nein: Prozess endet (Use Case ist nicht prüfpflichtig)

Typische Nicht-KI: Einfache Regelautomatisierung (If-Then-Else), Makros, Suchfunktionen, klassische Datenbanken.


2. AI-Act-Verbote (Art. 5): Liegt eine verbotene Praktik vor?

Der EU AI Act Art. 5 verbietet bestimmte KI-Praktiken vollständig. Diese sind in der EU generell nicht zulässig – unabhängig davon, wie gut die Schutzmaßnahmen sind.

Verbotene Praktiken:

Social Scoring:
Bewertung von Personen nach ihrem Sozialverhalten (z.B. „Trustworthiness-Score" für Mitarbeitende).

Emotion Recognition am Arbeitsplatz:
Erkennung oder Interpretation von Emotionen von Mitarbeitenden oder Bewerbern – z.B. durch Analyse von Mimik, Stimme, Text. Ausnahme: Medizinische Gründe oder Sicherheit (z.B. Müdigkeitserkennung bei Piloten).

Subliminal Manipulation:
Unterschwellige Verhaltensmanipulation, die Menschen zu Entscheidungen bringt, die sie sonst nicht getroffen hätten.

Exploitation of Vulnerabilities:
Ausnutzung von Schwächen spezifischer Gruppen (Alter, Behinderung, soziale/wirtschaftliche Lage), um deren Verhalten zu beeinflussen.

AI-Act-Verstoß = Bußgeld bis 35 Mio. €

Verstöße gegen Art. 5 können mit bis zu 35 Mio. € oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. Diese Verbote gelten absolut – es gibt keine Ausnahmen durch „ausreichende Schutzmaßnahmen".

Wenn AI-Act-Verbot vorliegt:STOP – Prozess endet. Kein Re-Design möglich (es sei denn, die verbotene Funktion wird komplett entfernt).


3. Hochrisiko-KI (Anhang III AI Act + RBV §3): Ist der Use Case Hochrisiko-KI?

Der EU AI Act definiert in Anhang III bestimmte Bereiche als Hochrisiko-KI. Diese sind grundsätzlich erlaubt, aber nur unter strengen Auflagen (Risikomanagementsystem, Dokumentation, menschliche Aufsicht, Konformitätsbewertung).

Bei GEALAN gilt aber: Per RBV §3 sind Hochrisiko-Use-Cases im HR-Bereich grundsätzlich verboten – auch wenn der EU AI Act sie erlauben würde.

Hochrisiko-Bereiche (Anhang III Nr. 4 – Beschäftigung & HR):

  • Recruiting & Personalauswahl: KI wertet Bewerbungen aus, rankt Kandidaten, empfiehlt Vorauswahl.
  • Leistungs- & Verhaltensbeurteilung: KI bewertet Mitarbeiterleistung, erstellt Rankings, empfiehlt Beförderungen/Kündigungen.
  • Aufgabenzuweisung: KI entscheidet, wer welche Aufgaben bekommt.
  • Überwachung von Arbeitsleistung: KI trackt Produktivität, Pausen, Aktivitäten.

Wenn Hochrisiko-Verdacht vorliegt:

  • Fast-Track (Score 6-9):Umleitung in Standard-Pfad – eine schnelle Freigabe ist nicht mehr möglich.
  • Standard/High-Risk (Score 10-18):STOP (per RBV §3 verboten).
RBV §3: Hochrisiko-KI im HR bei GEALAN verboten

Bei GEALAN sind Hochrisiko-Use-Cases im HR-Bereich grundsätzlich nicht zulässig. Grund: Schutz von Mitarbeiter- und Bewerberrechten vor automatisierter Diskriminierung.

Aber: Redesign-Beratung ist möglich. Beispiel: Statt „KI trifft Entscheidung" → „KI schlägt vor, Mensch entscheidet" (Human-in-the-Loop). Dadurch sinkt die Autonomie, der Use Case wird kein Hochrisiko mehr.


👥 Wer ist beteiligt?

KI-Manager:
Führt die Gate-Prüfung durch, koordiniert Rückfragen, trifft die Routing-Entscheidung (Fast-Track / Standard / Full Review / STOP).

Datenschutzbeauftragte:r (DSB):
Bewertet AI-Act-Compliance, DSGVO-Aspekte und Hochrisiko-Verdacht. Wird bei unklaren Fällen konsultiert.

Rechtsabteilung (Legal):
Prüft AI-Act-Verbote (Art. 5) und Hochrisiko-Kategorien (Anhang III). Wird bei komplexen rechtlichen Fragen hinzugezogen.

Use-Case-Owner:
Liefert bei Rückfragen zusätzliche Informationen (z.B. „Werden Emotionen ausgewertet?" – „Wird die KI auf Bewerberdaten angewendet?").


📝 Welche Dokumente entstehen?

Gate-Entscheidung (direkt im SharePoint-Cockpit):
Die Ergebnisse der Gate-Prüfung werden direkt im SharePoint-System dokumentiert. Es gibt kein separates Word-Dokument mehr (früher: „Dokument 02 Pre-Assessment"). Die wichtigsten Felder:

  • SOP anwendbar: Ja / Nein
  • AI-Act-Verbot: Ja / Nein (wenn ja: welches?)
  • Hochrisiko-Verdacht: Ja / Nein / Unklar (wenn ja: welche Kategorie?)
  • Blocker-Status: STOP / HOLD / Kein Blocker
  • Routing-Entscheidung: Fast-Track / Standard / Full Review / STOP
  • Begründung: Freitext (Warum wurde gestoppt? Warum weitergeleitet?)

⚙️ Wie läuft es ab?

Die Prüfung erfolgt in drei Varianten – je nach Risk-Score aus Schritt 1.

Variante A: Quick-Check (Score 6-9 Punkte)

Ziel: Schnelle Freigabe für risikoarme Use Cases, die alle Fast-Track-Kriterien erfüllen.

Ablauf:

  1. SOP-Relevanz prüfen: Ist das Tool ein KI-System? → Ja/Nein
  2. AI-Act-Verbote prüfen: Social Scoring, Emotion Recognition, Manipulation, Vulnerabilities? → Nein (hoffentlich!)
  3. Fast-Track-Kriterien validieren:
    • ✅ Keine besonderen Kategorien (Art. 9 DSGVO)
    • ✅ Kein HR-Kontext (Kriterium 12 = 1 Punkt)
    • ✅ Keine vollautomatisierten Entscheidungen (Kriterium 9 ≤ 2 Punkte)
    • ✅ Kein Multi-System-Schreibzugriff (Kriterium 10 ≤ 2 Punkte)
    • ✅ Keine öffentliche Weitergabe (Kriterium 13 ≤ 2 Punkte)

Gate-Entscheidung:

  • Alle Checks OK:Fast-Track zu Schritt 7 (Management-Entscheidung) – Schritte 3-6 werden übersprungen!
  • ⚠️ Ein Kriterium nicht erfüllt:Umleitung in Standard-Pfad (S3-S6) – keine Abkürzung mehr möglich.
  • AI-Act-Verbot:STOP – Prozess endet.

Typische Bearbeitungszeit: 2 Arbeitstage (oft nur 1 Tag).


Variante B: Standard-Gate (Score 10-14 Punkte)

Ziel: Vollständige rechtliche Zulässigkeitsprüfung für Standard-Use-Cases.

Ablauf:

  1. SOP-Relevanz prüfen (wie Variante A)
  2. AI-Act-Verbote prüfen (wie Variante A)
  3. Hochrisiko-Verdacht prüfen (Anhang III AI Act):
    • HR-Recruiting (Anhang III Nr. 4a)?
    • Leistungs-/Verhaltensbeurteilung (Anhang III Nr. 4b)?
    • Profiling mit Rechtswirkung (DSGVO Art. 22)?
    • Kreditscoring (Anhang III Nr. 5)?
    • Biometrische Identifikation (Anhang III Nr. 1)?
    • Kritische Infrastruktur (Anhang III Nr. 2)?

Gate-Matrix:

SOP anwendbar?AI-Act-Verbot?Hochrisiko (RBV §3)?Routing
❌ Nein--Ende (nicht prüfpflichtig)
✅ Ja❌ Ja-STOP (nicht zulässig)
✅ Ja✅ Nein❌ Ja (HR)STOP (RBV §3 Verbot)
✅ Ja✅ Nein✅ NeinStandard-Pfad (→ S3-S6)

Typische Bearbeitungszeit: 5 Arbeitstage.


Variante C: High-Risk-Gate (Score 15-18 Punkte)

Ziel: Intensive Prüfung für komplexe, risikoreiche Use Cases – mit hoher Wahrscheinlichkeit endet der Prozess hier.

Ablauf:

  1. SOP-Relevanz, AI-Act-Verbote, Hochrisiko-Verdacht (wie Variante B)
  2. Erweiterte Hochrisiko-Bewertung:
    • Detaillierte AI-Act-Compliance-Analyse (Anhang II + III)
    • Ist ein Risikomanagementsystem erforderlich? (Art. 9 AI Act)
    • Ist eine Konformitätsbewertung erforderlich? (Art. 43 AI Act)
    • Muss ein Notified Body (benannte Stelle) eingebunden werden?
    • Kann das Risiko überhaupt beherrscht werden?

Mögliche Ergebnisse:

  • Freigabefähig (mit umfangreichen Auflagen): → Standard-Pfad (S3-S6) – aber mit intensiveren Prüfungen.
  • ⚠️ HOLD (bis Risk-Mitigations umgesetzt): → Zurück zu Schritt 1 für Anpassungen (z.B. Autonomie senken, Human-in-the-Loop einbauen).
  • STOP (Risiko nicht beherrschbar): → Prozess endet.

Typische Bearbeitungszeit: 7 Arbeitstage.


⚠️ Stolpersteine & Lösungen

Problem 1: „Unser Use Case wurde gestoppt (STOP-Gate). Können wir ihn trotzdem umsetzen?"

Antwort: Nein – aber Redesign ist möglich.

Ein STOP-Gate ist endgültig. Wenn der Use Case gegen AI-Act Art. 5 oder RBV §3 verstößt, können Sie ihn nicht „einfach trotzdem machen" – das wäre illegal.

Aber: Der KI-Manager bietet Redesign-Beratung an. Oft lässt sich der Use Case so anpassen, dass er zulässig wird:

  • Beispiel 1 (Hochrisiko-Recruiting): Statt „KI sortiert Bewerbungen automatisch aus" → „KI erstellt Vorschlagsliste, Personaler prüft jede Bewerbung" (Human-in-the-Loop). Dadurch sinkt die Autonomie von 3 auf 2 Punkte, der Hochrisiko-Verdacht entfällt.
  • Beispiel 2 (Emotion Recognition): Statt „KI erkennt Emotionen von Mitarbeitenden in Meeting-Videos" → „KI erstellt reine Meeting-Zusammenfassung ohne Emotionsanalyse". Die verbotene Funktion wird entfernt.

Kontaktieren Sie den KI-Manager für eine Redesign-Beratung. Die Beratung ist kostenlos und dauert ~30-60 Minuten.


Problem 2: „Wir haben einen niedrigen Risk-Score (7 Punkte), wurden aber trotzdem in den Standard-Pfad umgeleitet. Warum?"

Antwort: Ein Fast-Track-Kriterium war nicht erfüllt.

Auch wenn der Score niedrig ist, müssen alle der folgenden Bedingungen erfüllt sein, um den Fast-Track zu nutzen:

  • ✅ Keine besonderen Kategorien (Art. 9 DSGVO)
  • ✅ Kein HR-Kontext
  • ✅ Keine vollautomatisierten Entscheidungen
  • ✅ Kein Multi-System-Schreibzugriff
  • ✅ Keine öffentliche Weitergabe

Wenn eine einzige Bedingung nicht erfüllt ist, rutscht der Use Case in den Standard-Pfad. Grund: Diese Kriterien sind besonders sensibel und erfordern eine vollständige Prüfung – auch wenn das Gesamtrisiko niedrig ist.

Beispiel: Ihr Use Case hat Score 7, aber die KI greift auf HR-Daten zu (Abwesenheitskalender). → HR-Kontext = 2 Punkte → Fast-Track-Kriterium „Kein HR-Kontext" nicht erfüllt → Standard-Pfad.


Problem 3: „Was bedeutet ‚HOLD'? Ist der Use Case abgelehnt?"

Antwort: Nein. HOLD bedeutet: „Der Use Case ist potenziell zulässig, aber noch nicht freigabefähig – weil wichtige Maßnahmen fehlen."

Typische HOLD-Gründe:

  • Risk-Mitigations fehlen: Z.B. „Human-in-the-Loop muss erst implementiert werden, bevor wir weitermachen können."
  • Informationen fehlen: „Wir können nicht beurteilen, ob es Hochrisiko ist, weil unklar ist, welche Daten verarbeitet werden. Bitte klären Sie das."
  • Anpassungen erforderlich: „Der Use Case ist zu riskant. Wenn Sie die Autonomie senken (von 3 auf 2 Punkte), können wir weitermachen."

Was tun bei HOLD?

  • Kontaktieren Sie den KI-Manager, um zu klären, welche Maßnahmen erforderlich sind.
  • Setzen Sie die Maßnahmen um (z.B. Workflow anpassen, Human-in-the-Loop einbauen).
  • Reichen Sie den Use Case erneut ein – der Prozess startet bei Schritt 1 oder 2 (je nachdem, was geändert wurde).

✅ Checkliste: Schritt 2 abgeschlossen?

Bevor der Use Case weitergehen kann, müssen alle der folgenden Punkte erfüllt sein:

  • SOP-Relevanz geprüft (Ja/Nein dokumentiert)
  • AI-Act-Verbote geprüft (Art. 5 – Social Scoring, Emotion Recognition, Manipulation, Vulnerabilities)
  • Hochrisiko-Verdacht geprüft (Anhang III – HR, Profiling, Kredit, Biometrie, Infrastruktur)
  • Blocker-Status gesetzt (STOP / HOLD / Kein Blocker)
  • Routing-Entscheidung getroffen (Fast-Track / Standard / Full Review / STOP)
  • Begründung dokumentiert (Warum wurde gestoppt? Warum weitergeleitet?)
  • Gate-Entscheidung im SharePoint-Cockpit gespeichert
  • Use-Case-Owner über Routing informiert (E-Mail mit Ergebnis, nächsten Schritten)
  • Bei STOP: Redesign-Beratung angeboten (KI-Manager kontaktiert Use-Case-Owner)

Wenn alle Punkte erfüllt sind:

  • Fast-Track: → Weiter zu Schritt 7 (Management-Entscheidung)
  • Standard/Full Review: → Weiter zu Schritt 3 (Datenschutz) + Schritt 4 (IT-Security) + Schritt 5 (Betriebsrat) – parallel
  • STOP: → Prozess endet (Redesign-Beratung möglich)
  • ⚠️ HOLD: → Zurück zu Schritt 1 (Anpassungen vornehmen)

Nächster Schritt:


Schritt 3 – Datenschutzprüfung

📋 Worum geht's?

In Schritt 3 prüft der Datenschutzbeauftragte (DSB), ob Ihr Use Case die DSGVO einhält. Das Ziel: Sicherstellen, dass alle personenbezogenen Daten rechtskonform verarbeitet werden, Risiken beherrschbar sind und – wenn nötig – eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) durchgeführt wird.

Diese Prüfung läuft parallel zu Schritt 4 (IT-Security) und Schritt 5 (Betriebsrat). Das spart Zeit und beschleunigt den Prozess.

Wichtig: Schritt 3 wird nur durchlaufen, wenn der Use Case den Standard- oder Full-Review-Pfad nimmt. Bei Fast-Track wird Schritt 3 übersprungen (die Datenschutz-Prüfung ist dann minimal und wird in Schritt 2 mit abgedeckt).


🎯 Was wird geprüft?

Der DSB prüft fünf zentrale Bereiche:

1. Rechtsgrundlage (Art. 6 DSGVO bzw. §26 BDSG)

Jede Verarbeitung personenbezogener Daten braucht eine Rechtsgrundlage. Die DSGVO nennt sechs mögliche Rechtsgrundlagen (Art. 6 Abs. 1):

  • a) Einwilligung (explizit, freiwillig, widerrufbar)
  • b) Vertragserfüllung (zur Durchführung eines Vertrags erforderlich)
  • c) Rechtliche Verpflichtung (z.B. steuerrechtliche Aufbewahrungspflichten)
  • d) Schutz lebenswichtiger Interessen (z.B. medizinische Notfälle)
  • e) Öffentliches Interesse (Aufgaben im öffentlichen Interesse)
  • f) Berechtigtes Interesse (nach Abwägung mit Interessen der Betroffenen)

Im Beschäftigungskontext gilt zusätzlich §26 BDSG (Durchführung des Arbeitsverhältnisses) – diese Rechtsgrundlage wird häufig für Mitarbeiterdaten genutzt.

Bei besonderen Kategorien (Art. 9 DSGVO) – Gesundheitsdaten, biometrische Daten, rassische/ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit, sexuelle Orientierung – ist eine zusätzliche Rechtsgrundlage erforderlich (z.B. Art. 9 Abs. 2 lit. b für Arbeitsrecht, oder Art. 9 Abs. 2 lit. a für explizite Einwilligung).

Keine Rechtsgrundlage = STOP

Wenn keine Rechtsgrundlage vorliegt, ist die Verarbeitung rechtswidrig. Der Use Case kann nicht freigegeben werden. Blocker-Status: STOP – Prozess endet.


2. DSGVO-Grundsätze (Art. 5)

Der DSB prüft, ob die fünf Grundsätze der DSGVO eingehalten werden:

Zweckbindung (Art. 5 Abs. 1 lit. b):
Daten dürfen nur für den angegebenen Zweck genutzt werden. Beispiel: Wenn die KI Daten für Rechnungsstellung verarbeitet, dürfen diese Daten nicht plötzlich für Marketing genutzt werden.

Datenminimierung (Art. 5 Abs. 1 lit. c):
Es dürfen nur die Daten verarbeitet werden, die für den Zweck tatsächlich erforderlich sind. Beispiel: Wenn die KI nur Name und E-Mail braucht, darf nicht das komplette CV hochgeladen werden.

Speicherbegrenzung (Art. 5 Abs. 1 lit. e):
Daten dürfen nicht länger gespeichert werden, als erforderlich. Ein Löschkonzept muss vorhanden sein.

Richtigkeit (Art. 5 Abs. 1 lit. d):
Es muss einen Mechanismus geben, um Daten zu aktualisieren oder zu berichtigen, wenn sie falsch sind.

Integrität & Vertraulichkeit (Art. 5 Abs. 1 lit. f):
Technische Maßnahmen (Verschlüsselung, Zugriffskontrolle) müssen vorhanden sein. Diese werden in Schritt 4 (IT-Security) detailliert geprüft.


3. Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) erforderlich? (Art. 35 DSGVO)

Eine DSFA ist eine systematische Bewertung der Risiken für die Rechte und Freiheiten betroffener Personen. Sie ist Pflicht, wenn:

  • Systematische Bewertung persönlicher Aspekte (Profiling): Die KI erstellt Profile, Scores oder Rankings von Personen.
  • Umfangreiche Verarbeitung besonderer Kategorien (Art. 9): Gesundheitsdaten, biometrische Daten, etc.
  • Systematische Überwachung öffentlich zugänglicher Bereiche: Z.B. Videoüberwachung mit Gesichtserkennung.
  • Hohes Risiko für Rechte & Freiheiten: Die Datenschutzkonferenz (DSK) hat eine Blacklist mit 26 Verarbeitungstätigkeiten veröffentlicht, die immer eine DSFA erfordern.

DSFA-Ablauf (falls erforderlich):

  1. Beschreibung der Verarbeitungsvorgänge (Was wird wie verarbeitet?)
  2. Bewertung der Notwendigkeit & Verhältnismäßigkeit (Ist die Verarbeitung wirklich erforderlich?)
  3. Risikoanalyse (Eintrittswahrscheinlichkeit × Schwere des Schadens)
  4. Abhilfemaßnahmen (TOMs) (Welche Maßnahmen senken das Risiko?)
  5. Dokumentation im DSFA-Bericht (strukturiertes Dokument, wird archiviert)

Bearbeitungszeit einer DSFA: 7-10 zusätzliche Arbeitstage (verlängert den SLA von Schritt 3).

DSFA erforderlich = längerer SLA

Wenn eine DSFA erforderlich ist, verlängert sich die Bearbeitungszeit von Schritt 3 von 5 auf 7-10 Arbeitstage. Planen Sie das bei der Zeitplanung ein.


4. Betroffenenrechte & Informationspflichten (Art. 13/14 DSGVO)

Betroffene (Mitarbeitende, Kunden, Bewerber) haben Rechte, die gewährleistet sein müssen:

  • Information (Art. 13/14): Wer verarbeitet die Daten? Zu welchem Zweck? Wie lange? Wer hat Zugriff?
  • Auskunft (Art. 15): Recht auf Kopie der gespeicherten Daten.
  • Löschung (Art. 17): „Recht auf Vergessenwerden", wenn Zweck erfüllt oder Rechtsgrundlage entfällt.
  • Widerspruch (Art. 21): Recht, gegen die Verarbeitung zu widersprechen (insbesondere bei berechtigtem Interesse, Art. 6 Abs. 1 lit. f).
  • Bei automatisierten Entscheidungen (Art. 22): Recht auf menschliche Überprüfung der Entscheidung.

Der DSB prüft:
✅ Ist eine Datenschutzerklärung / Information nach Art. 13/14 vorbereitet?
✅ Gibt es einen Prozess für Auskunfts-, Löschungs- und Widerspruchsanfragen?


5. Auftragsverarbeitung (AVV) erforderlich? (Art. 28 DSGVO)

Wenn ein externer Anbieter (z.B. Microsoft, OpenAI, Google) personenbezogene Daten im Auftrag von GEALAN verarbeitet, muss ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abgeschlossen sein.

In Schritt 3 prüft der DSB nur, ob ein AVV erforderlich ist. Die detaillierte Prüfung des AVV (Inhalt, Sub-Processors, Zertifikate) erfolgt in Schritt 6 (Anbieter- & Vertragsprüfung).


👥 Wer ist beteiligt?

Datenschutzbeauftragte:r (DSB):
Führt die vollständige Datenschutzprüfung durch, bewertet Rechtsgrundlagen, entscheidet über DSFA-Erfordernis, dokumentiert Ergebnisse.

KI-Manager:
Koordiniert den Prozess, liefert Informationen aus Schritt 1 & 2, verfolgt SLAs.

Rechtsabteilung (Legal):
Unterstützt bei komplexen Rechtsgrundlagenfragen (z.B. berechtigtes Interesse, §26 BDSG-Auslegung).

Use-Case-Owner:
Liefert bei Rückfragen Detailinformationen (z.B. „Welche Daten genau werden verarbeitet?" – „Wie lange werden Daten gespeichert?").


📝 Welche Dokumente entstehen?

Datenschutz-Vermerk (strukturierte Dokumentation):
Zusammenfassung der Prüfungsergebnisse:

  • Rechtsgrundlage (welche?)
  • DSGVO-Grundsätze eingehalten (ja/nein, Begründung)
  • DSFA erforderlich (ja/nein)
  • Betroffenenrechte gewährleistet (ja/nein)
  • AVV erforderlich (ja/nein)
  • Blocker-Status (STOP / HOLD / Kein Blocker)
  • Auflagen (falls vorhanden)

DSFA-Bericht (falls erforderlich):
Separates, strukturiertes Dokument mit Risikoanalyse, Abhilfemaßnahmen und Dokumentation.

VVT-Eintrag (Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten):
Jede neue Verarbeitungstätigkeit wird ins VVT eingetragen (Pflicht nach Art. 30 DSGVO).


⚙️ Wie läuft es ab?

1. DSB erhält Use-Case-Steckbrief & Gate-Entscheidung
Der DSB bekommt alle Informationen aus Schritt 1 (Steckbrief) und Schritt 2 (Gate-Ergebnis) als Grundlage.

2. DSB prüft Rechtsgrundlage
Welche Rechtsgrundlage (Art. 6 DSGVO, §26 BDSG) liegt vor? Bei besonderen Kategorien (Art. 9): Zusätzliche Rechtsgrundlage erforderlich?

3. DSB prüft DSGVO-Grundsätze
Zweckbindung, Datenminimierung, Speicherbegrenzung, Richtigkeit eingehalten?

4. DSFA-Entscheidung
Ist eine DSFA erforderlich? Falls ja: DSFA-Prozess anstoßen (7-10 Tage Zusatzaufwand).

5. Betroffenenrechte & Informationspflichten prüfen
Information nach Art. 13/14 vorbereitet? Prozesse für Auskunft, Löschung, Widerspruch vorhanden?

6. AVV-Erfordernis prüfen
Liegt Auftragsverarbeitung vor? Falls ja: AVV-Prüfung erfolgt in Schritt 6.

7. Blocker-Status & Auflagen setzen
Ergebnis:

  • Kein Blocker: Rechtskonform (ggf. mit Auflagen) → Weiter zu Schritt 4/5/6.
  • ⚠️ HOLD: Auflagen müssen vor Weiterleitung umgesetzt werden (z.B. „Löschkonzept erstellen").
  • STOP: Keine Rechtsgrundlage oder DSFA negativ → Prozess endet.

8. Ergebnisse dokumentieren & Use-Case-Owner informieren
Datenschutz-Vermerk wird im SharePoint-Cockpit gespeichert. Use-Case-Owner erhält E-Mail mit Ergebnis.


⚠️ Stolpersteine & Lösungen

Problem 1: „Der DSB sagt, wir brauchen eine DSFA. Wie lange dauert das?"

Antwort: 7-10 zusätzliche Arbeitstage.

Eine DSFA ist kein „Formular ausfüllen", sondern eine systematische Risikoanalyse. Typischer Ablauf:

  • Tag 1-2: Beschreibung der Verarbeitung, Informationen sammeln
  • Tag 3-4: Risikoanalyse (Eintrittswahrscheinlichkeit × Schwere)
  • Tag 5-6: Abhilfemaßnahmen definieren (TOMs)
  • Tag 7: Dokumentation im DSFA-Bericht
  • Tag 8-10: Abstimmung mit Use-Case-Owner, finale Freigabe

Tipp: Bereiten Sie alle Informationen vor (Welche Daten? Woher? Wohin? Wie lange? Welche Schnittstellen?), bevor die DSFA startet. Das spart Zeit.


Problem 2: „Wir haben keine Rechtsgrundlage. Können wir trotzdem weitermachen?"

Antwort: Nein.

Ohne Rechtsgrundlage ist die Verarbeitung rechtswidrig (DSGVO Art. 6 Abs. 1). Der Use Case wird gestoppt.

Aber: Der DSB kann helfen, eine passende Rechtsgrundlage zu identifizieren. Beispiele:

  • Berechtigtes Interesse (Art. 6 Abs. 1 lit. f): Oft geeignet für interne Prozesse (z.B. IT-Security-Monitoring, Fraud-Detection). Erfordert Abwägung mit Interessen der Betroffenen.
  • §26 BDSG (Beschäftigungsverhältnis): Geeignet für Mitarbeiterdaten, wenn die Verarbeitung zur Durchführung des Arbeitsverhältnisses erforderlich ist.
  • Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 lit. a): Nur geeignet, wenn freiwillig, explizit und widerrufbar. Im Beschäftigungskontext oft problematisch (Machtasymmetrie).

Kontaktieren Sie den DSB frühzeitig, um die Rechtsgrundlage zu klären – idealerweise schon vor Schritt 1.


Problem 3: „Die DSFA hat ergeben, dass das Risiko zu hoch ist. Was nun?"

Antwort: Entweder Abhilfemaßnahmen umsetzen oder stoppen.

Eine negative DSFA bedeutet nicht automatisch STOP. Wenn Abhilfemaßnahmen (TOMs – technische und organisatorische Maßnahmen) das Risiko auf ein akzeptables Niveau senken können, kann der Use Case weitergehen – mit Auflagen.

Typische Abhilfemaßnahmen:

  • Pseudonymisierung / Anonymisierung von Daten
  • Zugriffskontrolle (nur berechtigte Personen haben Zugriff)
  • Löschfristen festlegen (Daten werden nach 6 Monaten automatisch gelöscht)
  • Human-in-the-Loop (KI schlägt vor, Mensch entscheidet)
  • DLP-Regeln (Data Loss Prevention – Daten können nicht unbefugt exportiert werden)

Wenn keine Maßnahmen das Risiko senken können, endet der Prozess. Blocker-Status: STOP.


✅ Checkliste: Schritt 3 abgeschlossen?

  • Rechtsgrundlage geprüft & dokumentiert (Art. 6 DSGVO, §26 BDSG, Art. 9 bei bes. Kategorien)
  • DSGVO-Grundsätze geprüft (Zweckbindung, Datenminimierung, Speicherbegrenzung, Richtigkeit)
  • DSFA-Erfordernis bewertet (ja/nein, bei ja: DSFA durchgeführt)
  • Betroffenenrechte & Informationspflichten geprüft (Art. 13/14, Prozesse für Art. 15/17/21)
  • AVV-Erfordernis geprüft (ja/nein, detaillierte Prüfung erfolgt in Schritt 6)
  • Blocker-Status gesetzt (STOP / HOLD / Kein Blocker)
  • Auflagen dokumentiert (falls vorhanden)
  • Datenschutz-Vermerk im SharePoint-Cockpit gespeichert
  • Use-Case-Owner über Ergebnis informiert (E-Mail mit Status, Auflagen, nächsten Schritten)
  • VVT-Eintrag erstellt (Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten aktualisiert)

Wenn alle Punkte erfüllt sind:Schritt 3 abgeschlossen → Weiter zu Schritt 4/5/6 (parallel).


Schritt 4 – IT-Security-Prüfung

📋 Worum geht's?

In Schritt 4 prüft IT-Security, ob Ihr Use Case technisch sicher betrieben werden kann. Das Ziel: Sicherstellen, dass IT-Risiken beherrschbar sind, Zugriffe kontrolliert werden, Daten geschützt sind und im Notfall reagiert werden kann.

Diese Prüfung läuft parallel zu Schritt 3 (Datenschutz) und Schritt 5 (Betriebsrat).

SLA: 5 Arbeitstage (typisch 3-5 Tage, bei komplexen Integrationen 7-10 Tage).

Wichtiger Hinweis zu Schritt 4

Systemtyp, Autonomiegrad, Integrationsgrad und Externe Weitergabe werden bereits in Schritt 1 (Risk-Scoring) erfasst und müssen in Schritt 4 nicht erneut validiert werden.

Schritt 4 fokussiert sich auf technische Security-Maßnahmen.


🎯 Was wird geprüft?

IT-Security bewertet vier zentrale Bereiche:

A) Zugriffskontrolle & Identitätsmanagement

  • Least-Privilege-Prinzip (nur notwendige Berechtigungen)
  • SSO/MFA (Single Sign-On & Multi-Faktor-Authentifizierung)
  • Rollenkonzept (definierte Benutzerrollen)
  • Audit-Logging (Zugriffe protokolliert)

B) Technische Sicherheitsmaßnahmen

Verschlüsselung:

  • TLS 1.3 (für Datenübertragung)
  • At-Rest-Encryption (Verschlüsselung gespeicherter Daten)

API-Security:

  • API-Key-Management / Token-basierte Authentifizierung
  • Rate-Limiting (Schutz vor Missbrauch)
  • Input Validation (Eingabeprüfung gegen Injection-Angriffe)

Network Security:

  • Firewall-Regeln (nur notwendige Ports offen)
  • IP-Whitelisting (optional, bei besonders sensiblen Systemen)

C) Data Loss Prevention (DLP) – Technische Maßnahmen

  • Copy/Paste-Control für sensible Daten
  • Export-Logs (Audit-Trail für Datenexporte)
  • Encryption für externe Weitergabe (falls Daten das Unternehmen verlassen)

D) Monitoring & Incident-Management

  • Security-Monitoring (Logging & Alerting)
  • Incident-Response-Plan (Wer wird bei Security-Incidents informiert?)
  • Rollback-Mechanismus (Können Aktionen rückgängig gemacht werden?)
  • Vulnerability Scans / Penetration Tests (bei High-Risk-Cases)

Security-Controls nach Risikostufe

IT-Security definiert risikobasierte Controls:

RisikostufeTypische ControlsReview-Zyklus
NiedrigSSO/MFA, Basic Logging, TLS 1.3Jährlich
Mittel+ Rollenkonzept, DLP-Regeln, Audit-LogsQuartalsweise
Hoch+ Read-Only-Modus (wo möglich), Human-in-the-Loop für kritische Aktionen, Detailliertes Audit-Log, Penetration-TestMonatlich

Entscheidungslogik

Prüfer-ErgebnisBlocker-StatusRouting
Sicherheit gewährleistet (alle Controls erfüllbar)✅ Kein Blocker→ Weiter zu S5/S6
Kritische Controls fehlen (z.B. SSO nicht möglich)⚠️ HOLD→ Kompensationsmaßnahmen oder Anbieter-Wechsel
Risiko nicht beherrschbar❌ STOP→ Prozess endet

👥 Wer ist beteiligt?

IT-Security-Team:
Führt Sicherheitsbewertung durch, definiert Controls.

IT-Abteilung:
Prüft technische Machbarkeit, Architektur-Review.

KI-Manager:
Koordiniert Prozess.

Use-Case-Owner:
Liefert technische Details.


📝 Welche Dokumente entstehen?

Security-Vermerk (strukturierte Dokumentation):

  • Security-Controls definiert
  • Blocker-Status (STOP / HOLD / Kein Blocker)
  • Auflagen (falls vorhanden)

Liste erforderlicher Controls:
Wird in KI Check – Management-Entscheidung übernommen.


⚙️ Wie läuft es ab?

1. IT-Security erhält Steckbrief & Gate-Entscheidung

2. Zugriffskontrolle prüfen
SSO/MFA möglich? Rollenkonzept vorhanden? Audit-Logging aktiviert?

3. Technische Sicherheitsmaßnahmen bewerten
Verschlüsselung (TLS 1.3, At-Rest)? API-Security? Network Security?

4. DLP-Erfordernis prüfen
Können sensible Daten unbefugt exportiert werden? DLP-Regeln erforderlich?

5. Monitoring & Incident-Management prüfen
Security-Monitoring vorhanden? Incident-Response-Plan definiert? Rollback möglich?

6. Security-Controls definieren
Welche Maßnahmen sind für diese Risikostufe erforderlich?

7. Blocker-Status setzen

  • Kein Blocker: Sicherheit gewährleistet → Weiter
  • ⚠️ HOLD: Kritische Controls fehlen → Nachbesserung erforderlich
  • STOP: Risiko nicht beherrschbar → Prozess endet

8. Ergebnisse dokumentieren & Use-Case-Owner informieren


⚠️ Stolpersteine & Lösungen

Problem: „IT-Security fordert SSO/MFA, aber der Anbieter unterstützt das nicht."

Lösung: Entweder Anbieter wechseln oder Kompensationsmaßnahmen:

Kompensationsmaßnahmen (wenn Anbieter-Wechsel nicht möglich):

  • IP-Whitelisting (Zugriff nur aus GEALAN-Netzwerk)
  • Zusätzliche Audit-Logs (wer hat wann auf was zugegriffen?)
  • Reduzierte Berechtigungen (Read-Only statt Read-Write)
  • Verstärkte Überwachung (Security-Monitoring mit Alerting)

Wichtig: Kompensationsmaßnahmen sind kein 1:1-Ersatz für SSO/MFA. IT-Security entscheidet, ob Kompensation ausreichend ist oder ob der Use Case gestoppt wird.


Rechtliche Grundlagen

  • DSGVO Art. 32 (Sicherheit der Verarbeitung)
  • IT-Sicherheitsgesetz (IT-SiG)
  • BSI-Grundschutz (Best Practices für IT-Sicherheit)

✅ Checkliste: Schritt 4 abgeschlossen?

  • Zugriffskontrolle geprüft (SSO/MFA, Least-Privilege, Rollenkonzept, Audit-Logs)
  • Technische Sicherheitsmaßnahmen bewertet (Verschlüsselung, API-Security, Network Security)
  • DLP-Erfordernis geprüft (Copy/Paste-Control, Export-Logs, Encryption)
  • Monitoring & Incident-Management geprüft (Security-Monitoring, Incident-Response, Rollback)
  • Security-Controls definiert (risikobasiert: Niedrig / Mittel / Hoch)
  • Blocker-Status gesetzt (STOP / HOLD / Kein Blocker)
  • Security-Vermerk im SharePoint-Cockpit gespeichert
  • Use-Case-Owner über Ergebnis informiert

Wenn alle Punkte erfüllt sind:Schritt 4 abgeschlossen → Weiter zu Schritt 5/6 (parallel).


Schritt 5 – Betriebsrat / Mitbestimmung

📋 Worum geht's?

In Schritt 5 prüft die Personalabteilung (HR) gemeinsam mit dem Betriebsrat, ob Mitbestimmungsrechte nach BetrVG betroffen sind. Falls ja, wird eine KI Check – Einzelanlage zur KI-RBV erstellt und die Zustimmung des Betriebsrats eingeholt.

Diese Prüfung läuft parallel zu Schritt 3 (Datenschutz) und Schritt 4 (IT-Security).

SLA: 7-10 Arbeitstage (abhängig von BR-Verfügbarkeit, ggf. 14 Tage bei Verhandlungen).


🎯 Wann ist Schritt 5 erforderlich?

Betriebsrat-Prüfung ist verpflichtend, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • Beschäftigungskontext = Ja (direkt HR-bezogen)
  • Überwachung / Profiling = Ja (§87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG)
  • Leistungs- oder Verhaltenskontrolle möglich (§87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG)
  • Automatisierte Personalauswahl / -bewertung (§95 BetrVG)

Wenn keines zutrifft: Schritt 5 wird übersprungen (nur Information an BR).


👥 Wer ist beteiligt?

HR / Personalabteilung: Federführung, BR-Kontakt.
Betriebsrat: Prüfung, Verhandlung, Freigabe/Ablehnung.
KI-Manager: Koordination, Dokumentation.
Use-Case-Owner: Detailinformationen liefern.


📝 Welche Dokumente entstehen?

KI Check – Einzelanlage zur KI-RBV (falls BR-Trigger = Ja):

  • Zweck, Systemdetails, zulässiger Nutzungszweck
  • Ausdrückliche Ausschlüsse (keine Leistungsbewertung, kein Scoring)
  • Art der Nutzung (Human-in-the-Loop, teilautomatisiert)
  • Transparenz- & Informationspflichten

BR-Freigabe-Vermerk:
Strukturierte Dokumentation oder E-Mail/Protokoll.


⚙️ Wie läuft es ab?

  1. Mitbestimmungstatbestand klären (§87, §94, §95 BetrVG)
  2. KI-Rahmenbetriebsvereinbarung (RBV) anwenden
  3. Einzelanlage erstellen (falls BR-Trigger = Ja)
  4. Einzelanlage an BR übermitteln
  5. Präsentationstermin (optional)
  6. BR prüft & entscheidet:
    • ✅ Freigegeben → Prozess läuft weiter
    • ⚠️ Freigegeben mit Auflagen → Auflagen dokumentieren & umsetzen
    • 🔄 Verhandlung → HOLD (bis Einigung)
    • ❌ Abgelehnt → STOP

⚠️ Stolpersteine & Lösungen

Problem: „Der Betriebsrat lehnt ab. Was nun?"

Antwort: Entweder Redesign oder Prozess endet.

Häufigste Ablehnungsgründe:

  • Überwachung zu stark: Reduktion der Überwachungsfunktionen (z.B. nur aggregierte Daten, keine Einzelpersonen).
  • Automatisierung zu hoch: Human-in-the-Loop einbauen.
  • Transparenz fehlt: Klare Informationspflichten definieren.

Kontaktieren Sie HR & KI-Manager für Redesign-Beratung.


✅ Checkliste: Schritt 5 abgeschlossen?

  • ☐ Mitbestimmungstatbestand geprüft (§87, §94, §95 BetrVG)
  • ☐ KI-RBV geprüft (fällt Use Case unter RBV?)
  • ☐ Falls BR-Trigger = Ja: Einzelanlage zur KI-RBV erstellt
  • ☐ Einzelanlage an BR übermittelt
  • ☐ BR-Freigabe eingeholt (Freigegeben / Freigegeben mit Auflagen / Verhandlung / Abgelehnt)
  • ☐ Blocker-Status gesetzt
  • ☐ Auflagen dokumentiert (falls vorhanden)
  • ☐ BR-Freigabe-Vermerk im SharePoint-Cockpit gespeichert
  • ☐ Use-Case-Owner über Ergebnis informiert

Wenn alle Punkte erfüllt sind:Schritt 5 abgeschlossen → Weiter zu Schritt 6.


Schritt 6 – Anbieter- & Vertragsprüfung

📋 Worum geht's?

In Schritt 6 prüfen Einkauf / Legal, ob der Use Case auf einer validen vertraglichen Grundlage steht, der Anbieter freigegeben ist und alle datenschutz- & sicherheitsrelevanten Vereinbarungen getroffen sind.

Warum erst nach den Fachprüfungen? Die Anbieterprüfung erfolgt erst, nachdem alle fachlichen Anforderungen (Datenschutz, IT-Security, BR-Auflagen) bekannt sind. So werden Vertragsverhandlungen effizienter.

SLA: 5 Arbeitstage (typisch 3-5 Tage, bei neuen Anbietern 7-10 Tage).


🎯 Was wird geprüft?

1. Anbieterstatus klären

  • Bereits freigegeben → Vertragsprüfung
  • Neu → Anbieter-Onboarding starten
  • Mit Einschränkungen → Einschränkungen vs. Use Case abgleichen

2. Vertragsprüfung

  • Gültiger Rahmenvertrag vorhanden?
  • Use Case durch Vertrag abgedeckt?
  • Haftung & Garantien akzeptabel?
  • Kündigung & Exit geregelt?

3. Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) – falls Personendaten verarbeitet werden

AVV muss gem. Art. 28 DSGVO enthalten:

  • Gegenstand & Dauer
  • Art & Zweck
  • Arten personenbezogener Daten
  • Kategorien betroffener Personen
  • Pflichten & Rechte
  • TOMs (technische & organisatorische Maßnahmen)
  • Sub-Processor-Regelung
  • Unterstützung bei Betroffenenanfragen
  • Löschung / Rückgabe nach Vertragsende

4. Sub-Processor-Prüfung & Datenorte

  • Liste der Sub-Processor angefordert
  • Datenorte geprüft:
    • EU/EWR → ✅ OK
    • UK, USA, Schweiz → Angemessenheitsbeschluss vorhanden?
    • Drittland → Standardvertragsklauseln (SCC) erforderlich?

5. Cloud & Datenspeicherung

  • Datenort: Wo werden Daten gespeichert? (EU/EWR oder Drittland?)
  • Sub-Processor-Liste: Wer verarbeitet Daten im Auftrag?
  • Backup & Recovery: Sind Backup-Mechanismen vorhanden?
Wichtig: Cloud & Datenspeicherung in Schritt 6

Die Prüfung von Datenorten, Sub-Processoren und Backup-Mechanismen erfolgt in Schritt 6 (Anbieter- & Vertragsprüfung), nicht in Schritt 4 (IT-Security).

Schritt 4 fokussiert sich auf technische Security-Maßnahmen, Schritt 6 auf vertragliche & datenschutzrechtliche Aspekte der Anbieterbeziehung.


👥 Wer ist beteiligt?

Einkauf / Legal: Vertragsverhandlung, Freigabe.
DSB: AVV-Prüfung, Datenortprüfung.
IT-Security: Sub-Processor-Prüfung, technische Aspekte der Datenspeicherung.
KI-Manager: Koordination.


📝 Welche Dokumente entstehen?

  • Anbieter-Freigabe-Vermerk
  • Vertragsprüfungs-Checkliste
  • AVV-Kopie (bei Personendaten)
  • Sub-Processor-Liste mit Datenorten

⚙️ Wie läuft es ab?

  1. Anbieterstatus klären
  2. Vertragsprüfung durchführen
  3. AVV prüfen (falls Personendaten)
  4. Sub-Processor & Datenorte prüfen
  5. Spezifische Anforderungen aus Schritten 3-5 integrieren
  6. Blocker-Status setzen
  7. Ergebnisse dokumentieren & Use-Case-Owner informieren

⚠️ Stolpersteine & Lösungen

Problem: „Der Anbieter hat keinen AVV."

Lösung: AVV muss verhandelt werden. Ohne AVV ist die Verarbeitung personenbezogener Daten rechtswidrig. Blocker-Status: HOLD (bis AVV vorliegt).


✅ Checkliste: Schritt 6 abgeschlossen?

  • ☐ Anbieterstatus geprüft (Freigegeben / Neu / Mit Einschränkungen)
  • ☐ Vertragscheck durchgeführt
  • ☐ AVV vorhanden & geprüft (falls Personendaten)
  • ☐ Sub-Processor-Liste & Datenorte geprüft
  • ☐ Cloud & Datenspeicherung geprüft (Datenort, Backup & Recovery)
  • ☐ Anforderungen aus Schritten 3-5 integriert
  • ☐ Blocker-Status gesetzt
  • ☐ Anbieter-Freigabe-Vermerk im SharePoint-Cockpit gespeichert
  • ☐ Use-Case-Owner über Ergebnis informiert

Wenn alle Punkte erfüllt sind:Schritt 6 abgeschlossen → Weiter zu Schritt 7.


Schritt 7 – Management-Entscheidung

📋 Worum geht's?

In Schritt 7 konsolidiert der KI-Manager alle Prüfungsergebnisse und erstellt eine Management-Entscheidung. Das Management trifft die finale Entscheidung: Freigegeben (Grün), Freigegeben mit Auflagen (Gelb) oder Abgelehnt (Rot).

SLA: 3 Arbeitstage (typisch 1-3 Tage, bei Rückfragen bis 5 Tage).


🎯 Was wird geprüft?

Das Management prüft die Zusammenfassung aller Prüfungen:

  • Datenschutz: OK / HOLD / STOP?
  • IT-Security: OK / HOLD / STOP?
  • Betriebsrat: Freigegeben / Freigegeben mit Auflagen / Abgelehnt?
  • Anbieter & Vertrag: OK / HOLD / STOP?

Basierend darauf trifft das Management die finale Entscheidung.


👥 Wer ist beteiligt?

KI-Manager: Erstellt Entscheidungsvorlage (KI Check – Management-Entscheidung), präsentiert.
Management (Entscheider): Finale Entscheidung.

  • Abteilungsleiter (Pilot, Low-Risk)
  • Bereichsleiter (Team/Bereich, Medium-Risk)
  • Geschäftsführung (Unternehmensweit, High-Risk)

DSB, IT-Security, HR, Legal: Beratend (bei Rückfragen).


📝 Welche Dokumente entstehen?

KI Check – Management-Entscheidung (Entscheidungsvorlage):

Struktur:

  1. Referenzen: Use-Case-ID, Titel, Geschäftsbereich, Tool/Anbieter, Anbieterstatus, Skalierungsgrad
  2. Kurzbeschreibung & Scope: Use Case in 6 Zeilen (Input → Verarbeitung → Output), Ausschlüsse (3 Bullet Points)
  3. Cockpit-Einordnung: SOP, Systemtyp, Autonomie, Integration, Daten, AI-Act-Verbot, Hochrisiko, BR-Freigabe
  4. Ergebnis-Summary: Vertrag/Anbieter, Datenschutz, IT-Security, Betriebsrat (jeweils Status + Verweis)
  5. Auflagen (max. 8, priorisiert & verifizierbar): Jede Auflage mit Owner & Deadline
  6. Entscheidungsempfehlung (vom KI-Manager): Farbe (Grün / Gelb / Rot), Begründung (5 Bullet Points)
  7. Finale Entscheidung (vom Management): Farbe, Begründung, Review-Datum, Entscheider, Unterschrift

⚙️ Wie läuft es ab?

  1. KI-Manager erstellt KI Check – Management-Entscheidung
  2. KI-Manager präsentiert Entscheidungsvorlage dem Management
  3. Management prüft & stellt Rückfragen (optional)
  4. Management trifft finale Entscheidung:
    • 🟢 Approved → Weiter zu Schritt 8
    • 🟡 Approved with Conditions → Auflagen umsetzen, dann Schritt 8
    • 🔴 Rejected → STOP
  5. Management-Entscheidung wird unterschrieben & archiviert
  6. Use-Case-Owner wird über Entscheidung informiert

⚠️ Stolpersteine & Lösungen

Problem: „Das Management lehnt ab, obwohl alle Prüfungen positiv waren. Warum?"

Antwort: Business-Gründe, Risiko-Appetit, strategische Überlegungen.

Das Management kann aus verschiedenen Gründen ablehnen, auch wenn alle Fachprüfungen positiv sind:

  • Kosten zu hoch: Auflagen sind zu teuer (z.B. neue Infrastruktur erforderlich).
  • Business-Nutzen zu gering: Nutzen rechtfertigt den Aufwand nicht.
  • Strategische Gründe: Unternehmen will diesen Bereich (noch) nicht mit KI angehen.

In solchen Fällen: Redesign-Beratung oder Aufschub (Use Case kann später neu eingereicht werden).


✅ Checkliste: Schritt 7 abgeschlossen?

  • KI Check – Management-Entscheidung erstellt
  • ☐ Management-Präsentation durchgeführt
  • ☐ Finale Entscheidung getroffen (Approved / Approved with Conditions / Rejected)
  • ☐ Auflagen dokumentiert (falls vorhanden)
  • ☐ Review-Datum gesetzt
  • ☐ Management-Entscheidung unterschrieben
  • ☐ Genehmigungsstatus im SharePoint-Cockpit gesetzt
  • ☐ Use-Case-Owner über Entscheidung informiert

Wenn alle Punkte erfüllt sind:

  • Approved / Approved with Conditions: → Weiter zu Schritt 8
  • Rejected: → Prozess endet

Schritt 8 – Betrieb & Review

📋 Worum geht's?

Schritt 8 ist der laufende Betrieb des Use Case. Das Ziel: Sicherstellen, dass der freigegebene Use Case compliant bleibt, Auflagen umgesetzt werden und bei Änderungen ein Re-Check ausgelöst wird.

SLA:

  • Go-Live-Vorbereitung: 5-10 Arbeitstage (Auflagen umsetzen)
  • Review-Zyklus: 6-12 Monate (je nach Risk-Score & Auflagen)

🎯 Was wird geprüft?

Schritt 8 hat drei Phasen:

Phase A: Go-Live-Vorbereitung

Vor dem Go-Live müssen alle Auflagen aus Schritt 7 umgesetzt sein:

Typische Aufgaben:

  • AVV unterschrieben & abgelegt
  • SSO/MFA aktiviert
  • DLP-Regeln konfiguriert
  • Human-in-the-Loop-Workflow implementiert
  • Mitarbeiter-Information (DSGVO Art. 13) versendet
  • BR-Einzelanlage unterschrieben
  • Schulungen durchgeführt
  • Monitoring-Dashboard aufgesetzt

Checkliste vor Go-Live:

  • Alle Auflagen umgesetzt?
  • Betriebsstatus auf „In Betrieb" setzen
  • Review-Datum in Kalender eintragen
  • Use-Case-Owner informiert & geschult

Phase B: Laufender Betrieb

Kontinuierliches Monitoring:

  • Nutzungszahlen (Wer nutzt das Tool? Wie oft?)
  • Fehlerrate / False Positives
  • Security-Incidents
  • Datenschutz-Vorfälle

Change-Management:

  • Neue Features / Updates vom Anbieter → Re-Check-Trigger prüfen
  • Scope-Erweiterungen → Re-Check-Trigger prüfen
  • Neue Integration → Re-Check-Trigger prüfen

Phase C: Review-Zyklus

Review-Termin (6-12 Monate nach Go-Live):

Prüfung:

  1. Auflagen-Compliance: Sind alle Auflagen weiterhin erfüllt?
  2. Scope-Adherence: Wird das Tool nur für den freigegebenen Zweck genutzt?
  3. Drift-Detection: Neue Datenarten, Nutzergruppen, Automatisierungsgrade, Integrationen?
  4. Incident-Review: Sicherheitsvorfälle, Datenschutz-Beschwerden, BR-Beschwerden?
  5. Anbieter-Status: Anbieter weiterhin freigegeben, Sub-Processor-Liste aktualisiert?

Re-Check-Trigger-Matrix

Wann wird ein Re-Check (Rückkehr zu Schritt 2) ausgelöst?

ÄnderungRe-Check-LevelRückkehr zu Schritt
Neue Datenarten (z.B. plötzlich bes. Kategorien)Vollständig→ Schritt 2
Neue Integration (Write-Access)Vollständig→ Schritt 2
HR-Kontext neu hinzugekommenVollständig→ Schritt 2 (+ BR-Prüfung)
Anbieter-WechselVollständig→ Schritt 6
Zweck-Änderung (anderer Use Case)Vollständig→ Schritt 1 (neu formalisieren)
Skalierung (Pilot → Unternehmensweit)Partiell→ Schritt 2 (Risk-Score neu)
Externe Weitergabe neuVollständig→ Schritt 2
Kleinere Anpassungen (z.B. UI-Update)Kein Re-CheckDokumentieren, weiter monitoren

👥 Wer ist beteiligt?

Use-Case-Owner: Betrieb, Auflagen-Umsetzung.
KI-Manager: Review-Koordination, Re-Check-Trigger-Prüfung.
DSB, IT-Security, HR: Review-Teilnahme (je nach Relevanz).


📝 Welche Dokumente entstehen?

  • Review-Protokoll (strukturierte Dokumentation)
  • Aktualisiertes KI Check – Management-Entscheidung (falls Auflagen ergänzt wurden)

⚙️ Wie läuft es ab?

1. Go-Live-Vorbereitung (5-10 Tage)

  • Auflagen aus Schritt 7 umsetzen
  • Checkliste vor Go-Live abarbeiten
  • Betriebsstatus auf „In Betrieb" setzen

2. Laufender Betrieb (6-12 Monate)

  • Kontinuierliches Monitoring
  • Change-Management (Re-Check-Trigger prüfen bei Änderungen)

3. Review-Termin (6-12 Monate nach Go-Live)

  • Auflagen-Compliance prüfen
  • Scope-Adherence prüfen
  • Drift-Detection prüfen
  • Incident-Review prüfen
  • Anbieter-Status prüfen

4. Review-Ergebnis:

  • Alles OK: Nächstes Review-Datum setzen (6-12 Monate)
  • ⚠️ Kleinere Abweichungen: Korrekturmaßnahmen definieren (nicht-blockierend), Betrieb läuft weiter
  • 🔄 Auflagen nicht erfüllt: HOLD (Betrieb pausiert bis Auflagen nachgeholt)
  • 🔄 Wesentliche Änderungen: Re-Check auslösen (→ Schritt 2)
  • Nicht mehr benötigt: Ordentliches Off-Boarding (Betrieb beendet)

⚠️ Stolpersteine & Lösungen

Problem: „Wir haben neue Features hinzugefügt, aber keinen Re-Check gemacht. Was nun?"

Lösung: Sofort stoppen, Re-Check anstoßen.

Wenn wesentliche Änderungen ohne Re-Check vorgenommen wurden, ist der Use Case nicht mehr compliant. Der Betrieb muss sofort pausiert werden, bis ein Re-Check durchgeführt wurde.

Typische Szenarien:

  • Neue Datenquellen: KI greift jetzt auf HR-Daten zu (vorher nicht) → Re-Check ab Schritt 2.
  • Neue Integration: KI kann jetzt schreiben (vorher nur lesen) → Re-Check ab Schritt 2.
  • Skalierung: Von Pilot (5 Nutzer) auf unternehmensweit (200 Nutzer) → Re-Check ab Schritt 2.

Konsequenz bei Ignorieren: Rechtsverstöße (DSGVO, AI Act, BetrVG), Vertrauensverlust, mögliche Bußgelder.

Kontaktieren Sie sofort den KI-Manager, um den Re-Check anzustoßen.


✅ Checkliste: Schritt 8 abgeschlossen?

Phase A: Go-Live-Vorbereitung

  • ☐ Alle Auflagen aus Schritt 7 umgesetzt
  • ☐ Betriebsstatus auf „In Betrieb" gesetzt
  • ☐ Review-Datum in Kalender eingetragen
  • ☐ Use-Case-Owner informiert & geschult

Phase B: Laufender Betrieb

  • ☐ Monitoring aufgesetzt (Nutzungszahlen, Fehlerrate, Security-Incidents)
  • ☐ Change-Management etabliert (Re-Check-Trigger bei Änderungen)

Phase C: Review-Zyklus

  • ☐ Review-Termin durchgeführt (6-12 Monate nach Go-Live)
  • ☐ Auflagen-Compliance geprüft
  • ☐ Scope-Adherence geprüft
  • ☐ Drift-Detection geprüft
  • ☐ Incident-Review geprüft
  • ☐ Anbieter-Status geprüft
  • ☐ Review-Ergebnis dokumentiert
  • ☐ Nächstes Review-Datum gesetzt (falls Betrieb weiterläuft)

Wenn alle Punkte erfüllt sind:Schritt 8 abgeschlossen → Laufender Betrieb mit kontinuierlichem Monitoring.


Abschluss & Zusammenfassung

✅ Sie haben es geschafft!

Herzlichen Glückwunsch – Sie haben alle 8 Schritte des KI-Checks durchlaufen. Ihr Use Case ist nun rechtskonform, sicher und freigegeben – oder Sie wissen, warum er (noch) nicht freigabefähig ist und welche Maßnahmen erforderlich sind.


🎯 Die 8 Schritte im Überblick

SchrittBezeichnungSLA (Fast-Track)SLA (Standard)SLA (Full Review)
S1Formalisierung & Risk-Scoring3 Tage3 Tage3 Tage
S2Risk-Assessment & Gate2 Tage5 Tage7 Tage
S3Datenschutzprüfung-5 Tage7 Tage
S4IT-Security-Prüfung-5 Tage7 Tage
S5Betriebsrat-7-10 Tage10-14 Tage
S6Anbieter & Vertrag-5 Tage7 Tage
S7Management-Entscheidung3 Tage3 Tage5 Tage
S8Go-Live & Review5-10 Tage5-10 Tage10-15 Tage
GesamtEnd-to-End~10-15 Tage~4-6 Wochen~6-8 Wochen

📞 Kontakte

RolleKontakt
KI-Manager[ki-manager@gealan.de]
Datenschutzbeauftragte:r[dsb@gealan.de]
IT-Security[it-security@gealan.de]
Betriebsrat[betriebsrat@gealan.de]
Legal / Einkauf[legal@gealan.de]

📚 Weiterführende Dokumente

DokumentLink
📘 KI-Check Grundlagen-Handbuch – Warum, Was, Wie, Rechtlicher Rahmen, Risk-Scoring, RollenGrundlagen-Handbuch
E2E KI-Prüfung V3.2 – Vollständige technische ProzessdokumentationE2E V3.2
SOP Einsatz von KI-Anwendungen – Verbindliche VerfahrensanweisungSOP
Nutzungsrichtlinie KI – Was darf ich als Mitarbeiter:in?Nutzungsrichtlinie
Codex – 10 Gebote für KI – MerkregelnCodex
Merkblatt Hochrisiko-KI – Was ist verboten? Redesign-BeispieleMerkblatt
Rechtlicher Rahmen – Detaillierte Erläuterung EU AI Act, DSGVO, BetrVG, RBVRechtlicher Rahmen
Risk-Scoring & Routing – Vollständige Scoring-MatrixRisk-Scoring

Dokument-Status: ✅ Freigegeben
Erstellt von: KI-Manager
Geprüft durch: DSB, IT-Security, Betriebsrat, Legal, HR
Freigegeben durch: Geschäftsführung
Freigabe-Datum: 17.02.2026

VersionDatumÄnderung
3.317.02.2026Systemtyp in Schritt 1 ergänzt (14. Pflichtfeld); Schritt 4 bereinigt (Cloud & Datenspeicherung zu Schritt 6 verschoben); Hinweise zur Feldverteilung ergänzt
3.216.02.2026Neue Handbuch-Version (Synthese aus V3.1, ausführliche Praxisanleitung, 7-Punkt-Struktur pro Schritt)
3.115.02.2026Aktualisierung nach finalen Dokumentnamen
3.001.02.2026Anpassung an EU AI Act (vollständige Geltung ab 02.08.2024)

✅ Ende des Handbuchs